Der japanische Amateur Koichi Itagaki hat wieder eine Supernova entdeckt, dieses Mal in (oder genauer nahe bei) NGC 3277 im Kleinen Löwen. Denn die Supernova befindet sich nicht in NGC 3277, sondern ein weites Stück außerhalb dieser Galaxie – gut 5 Bogenminuten südöstlich davon. NGC 3277 ist mit einem Durchmesser von nur 33.000 Lichtjahren nur rund ein Viertel so groß wie unsere heimatliche Milchstraße.
Selbst auf den kontrastverstärkten Aufnahmen dieser Galaxie hat sie nur einen Winkeldurchmesser von 3 Bogenminuten. Ein Mitglied des Galaxienhaufen im Hintergrund (die zahlreichen winzigen Spiralnebel überall im Bild) kommt auch nicht als Muttergalaxie in Frage, dieser liegt nach Einzelmessungen der Rotverschiebung (rund 835 Millionen Lichtjahre) also rund 1 Milliarde Lichtjahre entfernt – die Supernova ist dafür viel zu hell.
Sie wurde als vom Typ II, also als Kernkollaps eines massiven Sterns, identifiziert. Die Helligkeit von von aktuell schwächer als 16,4 mag Größenklassen passt zudem recht gut zu den Entfernungsangaben zu NGC 3277 mit rund 61,5 Millionen Lichtjahren. Dies zugrunde gelegt, befindet sich die Supernova aktuell in einer projizierten Distanz von 116.000 Lichtjahren zu NGC 3277. Von einer möglichen Begleitgalaxie von NGC 3277 ist an der Position der Supernova auch in der tiefen Aufnahme nichts zu erkennen. Der explodierte Stern musste also aus NGC 3277 stammen. Sterne können durch enge Begegnung mit dem zentralen Schwarzen Loch der Galaxie durchaus auf Fluchtgeschwindigkeiten von 600 bis 800 km/s beschleunigt werden. Sie werden dann Hyperschnellläufer genannt. Wenn der Stern der SN2025coe ein solcher Hyperschnellläufer war, dann hätte er für die Distanz von 116.000 Lichtjahren bei einer Geschwindigkeit von 700 km/s in rund 49,7 Millionen Jahre benötigt. Dieser Zeitraum passt recht gut zur Lebenserwartung solcher Riesensterne, die nur einigen Dutzend Millionen Jahre beträgt.
Das Bild wurde nur 30 Minuten mit der Faint-Objekt-Kamera am großen Spiegelteleskop ACF16 der Sternwarte Huchenfeld belichtet.